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Miss Fit / Mag.art Tulga Beyerle - Konzeption
EIN AUSSTELLUNGSPROJEKT
IM MQ WIEN, FREIRAUM/QUARTIER21
2. SEPTEMBER – 1. OKTOBER 2006
Modedesign und Produkt/Möbeldesign beeinflussen unsere alltägliche
Welt des Konsums, unterscheiden zwischen Mainstream und Haute
Couture. Weder bei der Präsentation, noch in der Rezeption entstehen
jedoch relevante Verbindungen zwischen den beiden Disziplinen. Jede
Sparte hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten der Produktion, gesonderte
Regeln des Wettbewerbs und spezielle Kriterien, nach denen Erfolg
gemessen wird. Modedesign und Produkt/Möbeldesign unterscheiden
sich letztendlich auch bei der Ausbildung des Nachwuchses. Mögliche
Bezüge oder auch Gegensätze zwischen Modedesign und Produkt/
Möbeldesign sollen nun im Ausstellungsprojekt Miss Fit untersucht
werden.
Tina Lehner Möbel/Objekt *1968, lebt in Wien Studium Industrial Design, Univ. für Angewandte Kunst, Wien. Studium Industrial Design, Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam. Rege Ausstellungstätigkeit, u.a. Teilnahme am Festival der Regionen/ OÖ 1995, Installationen für den Österreich- Pavillon bei der Expo in Japan 2005. Derzeit Designerin in der Werkstatt gabarage_upcycling Design, Wien. Tina Lehner geht in ihrer Arbeit einen bewussten Grenzgang zwischen Kunst und Design, aber auch zwischen den Disziplinen Mode- & Möbeldesign. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich etwa mit der De- und Rekonstruktion von Schnittmustern, oder mit dem Spannungsfeld von Raum und Bewegung in Gestalt von rotierenden Kreiseln. Als erlebbare Welten erfahrbar, sind ihre Arbeiten Ergebnisse eines vielschichtigen Spiels von Bedeutungen.


Isabella Diessl (Texterin)zu den arbeiten von tina lehner
Sie hat den Bogen raus - Tina Lehner schafft in ihrer Arbeit nicht nur einen interessanten Bogen zwischen Kunst und Design, zwischen den verschiedensten europäischen Ländern und Disziplinen, sondern gebogen wird vor allem auch in ihren Compwood–Kreationen – und zwar Holz.
< „Compwood fordert mich nicht nur als Künstlerin heraus, sondern inspiriert mich auch ungemein als Designerin“ erklärt die gebürtige Oberösterreicherin aus Steyr. - Wie bitte? Comp ... was? Compwood? Noch nie zuvor gehört. Aber die 36 Jährige gibt gerne Auskunft. Und so erfäht man, dass es sich bei Compressedwood, – kurz Compwood - um ein einzigartiges Holz-Verarbeitungsverfahren handelt, das in unseren Breiten noch kaum bekannt ist.
In Dänemark, der Geburtsstätte von Compwood, ist Tina Lehner das erste mal mit dem neuartigen Holz-Material in Kontakt gekommen. Das war 1997 - bei einem postgraduate Workshop an der Denmark Design School Kopenhagen.
< „das Neue“ hat Tina Lehner immer wieder gesucht. Rastlos. Beinahe ruhelos. Andere Orte. Andere Ausdrucksmöglichkeiten. Bezeichnend dafür auch ihre Diplomarbeit über das Thema Reisen an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam – wohin es sie nach dem in Wien begonnenen Industriedesign-Studium verschlagen hatte. Dort traf sie übrigens auch ihren Studienkollegen Cees Dingler mit dem sie die BYO-Möbel kreierte. BYO steht für ‚Build your own' und sind Möbel, die nach einer Anleitung leicht zum auf- und abbauen sind. Man kann sie deshalb auch überall hin mitnehmen – überall in Europa oder „throughout Europe“ wie der eigentliche Titel heißt.

< In ihren textilen Arbeiten schlagen Tina Lehner's frühere Wurzeln durch. Denn die junge Modeschülerin absolvierte zuerst in Graz die Meisterklasse für Mode und Design, bevor sie ihr Studium, Industriedesign, nach Wien an die Hochschule für angewandte Kunst führte. „Es gab dann die Möglichkeit für mich, mein Studium in Amsterdam weiterzuführen. Das war für meine künstlerische Entwicklung enorm wichtig.“, erklärte Tina Lehner im Gespräch bei Tee und Keksen. Dort entstanden auch Werke wie „pattern work“. In dieser Installation setzt sich die junge Künstlerin mit dem Thema „Dekonstruiertes Bild“ auseinander. Dabei sieht man einen Teddybären in seine schematischen Einzelteile zerlegt. Nur in der Vorstellung des Betrachters entsteht der Teddybär wieder als Ganzes. „Für Pattern Work haben mich die Arbeiten von Mike Kelley, stark beeinflusst. Besonders „Brown Star“ von 1991“, erklärt Tina Lehner. Erstmals wurde sie mit diesen Exponaten kleinformatiger und somit raumtauglich. Denn ihre aller ersten Kunstwerke mit denen sie an die Öffentlichkeit ging, waren Landschaftsobjekte.

< Die damals blutjunge Künstlerin nahm regelmäßig an den Kunstwochen in Grafenschlag (NÖ) teil. Für 1992 kreierte sie witzige, aufblasbare Figuren zum Thema „Haut und Hülle“ und ein Jahr später bespannte sie auf Formrohre poetische bedruckte PVC-Flächen. 1994 schmückten bei den Kunstwochen bunte Textilfahnen mit Piktogrammen etwa 10 Strommasten – eine wunderbare Hommage an tibetische Gebetsfahnen. Aber auch beim Festival der Regionen beeindruckte die Künstlerin 1995 mit Sinn fürs Mystische – bloß diesmal augenzwinkernd. Zeigt sie doch mit „Froschkönig“, einer riesengroßen aufblasbaren Krone und Kugel welche auf dem Attersee schwammen, den starken Bezug von Regionen, Märchen und Mythen. Tina Lehner spannt Bögen. Die Kunst dabei ist, dass sie ihn nie überspannt.